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HTML5: Welcher Videocodec ist der „richtige“?

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Das <video> Element der HTML5 (Draft-) Spezifikation erlaubt, dass Videos ohne Plugins wie Flash direkt vom Browser wiedergegeben werden können. Allerdings ist das Format des Videos nicht spezifiziert und man kann somit nicht sicher sein, ob der Browser mit dem Video umgehen kann.

Prinzipiell kann ein beliebiger Videocodec zum Erstellen der Videodateien verwendet werden. Dabei muss man aber immer die Browserunterstützung im Hinterkopf behalten. Somit bleiben drei Alternativen von denen bedauerlicherweise keine von allen großen Browsern unterstützt wird (Siehe Wikipedia: HTML5 video). Man hat die Wahl zwischen den Open Source Codecs Theora und WebM sowie dem kommerziellen H.264.

Kommerziell

H.264 ist ein offener Standard der von verschiedensten Geräten unterstützt wird. Die Nutzung des Codecs ist aber nur unter ganz bestimmten Ausnahmen frei von Lizenzgebühren (an die MPEG LA LLC). Photoscala hat sich näher mit den Lizenzbedingungen für Endbenutzer befasst und so zusammengefasst:

Unter folgenden Voraussetzungen fallen keine Lizenzgebühren an:

  • Subskriptionsmodelle (Abonnement) mit weniger als 100.000 Kunden.
  • Internet-Video, das für den Kunden kostenfrei ist (d.h. kein Subskriptionsmodell, kein Einzeltitelverkauf).

Der Codec kann also für die üblichen Web-Anwendungen frei verwendet werden. Die Browser Mozilla Firefox und bald auch Google Chrome unterstützen dieses Format aber nicht. Ein freier Encoder zum Erstellen des Videos ist zB x264.

Open Source

Die Codecs Theora und WebM sind Open Source und werden von einigen Browsern unterstützt mit Ausnahme von Internet Explorer 9 und Safari. Das Erstellen von Videos in diesen Formaten ist nicht Lizenzpflichtig. MPEG LA LLC behauptet jedoch, dass Softwarepatente verletzt werden, ohne aber die Patente zu nennen.

Google Chrome wird H.264 nicht unterstützen

Am 11.1.2011 wurde im Chromium Blog angekündigt, die Unterstützung für H.264 einzustellen um die Verbreitung der Open Source Codecs Theora und Googles WebM zu fördern. Diese Ankündigung hat einiges an Kritik hervorgerufen, da sehr viele Geräte bereits hardwareunterstützte Wiedergabe von H.264 bieten, bei WebM Patentverletzungen möglich sind und Googles Strategie unter Umständen nicht so Uneigennützig ist wie es auf den ersten Blick scheint. All dies ist in diesem Kommentar auf Slashdot zusammengefasst.

Auch von Google gibt es dazu eine ausführliche Klarstellung im Chromium Blog.

Ausblick

Derzeit kann noch nicht gesagt werden, ob sich ein Standard durchsetzen wird. H.264 bietet die Vorteile der besten Kompression und der breitesten Hardwareunterstützung, ist aber nicht mit dem Open Source Gedanken vereinbar (Video, Freedom And Mozilla). Theora und WebM sind frei, Patentklagen sind aber nicht ausgeschlossen und sie komprimieren etwas schlechter.

Eines ist jedoch sicher: da kein Format von allen Browsern unterstützt wird, wird Flash zum Abspielen von Videos zumindest im Desktop-Bereich vorerst nicht aussterben. Das WebM Projekt stellt allerdings Plug-ins in Aussicht, die eine Wiedergabe von WebM Videos in Safari und Internet Explorer 9 ermöglichen werden.

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